Gegen das Vergessen

Was der Bischofsheimer Arbeitskreis Stolpersteine vorhat: Drei Termine gibt es noch in diesem Jahr. Unter anderem geht es nach Hadamar, auch Zwangsarbeit in NS-Zeit ist ein Thema.

BISCHOFSHEIM. Seit fast einem Jahr erinnert eine bronzene Tafel in der Frankfurter Straße 48 an den Standort der ehemaligen Synagoge der Israelitischen Gemeinde Bischofsheim. Die Geschichte des 1851 errichteten Gotteshauses, das der jüdischen Gemeinde auch als Schule und als Zentrum für soziale und kulturelle Veranstaltungen diente, endete am 9. November 1938: Die Synagoge wurde in der Reichspogromnacht von einem NS-Mob geschändet und geplündert.

Dass sie nicht niedergebrannt wurde, ist wohl allein dem am selben Tag eingeleiteten Verkauf des Gebäudes geschuldet. Die zur Mahnung angebrachte Bronzetafel wurde am 9. November 2025 bei einer viel beachteten Gedenkstunde eingeweiht (wir berichteten). Gestiftet wurde die Tafel auf Anregung des Arbeitskreises Stolpersteine von der Gemeinde Bischofsheim.

Arbeitskreis und Geschichtswerkstatt sichern das Gedenken

Der vor vier Jahren gegründete, sich überwiegend aus Spenden und Zuschüssen der Gemeinde finanzierende Arbeitskreis hat es sich, wie auf www.stolpersteine-bischofsheim.de zu lesen ist, zur Aufgabe gemacht, die von ihm initiierte örtliche Erinnerungsarbeit „auf eine möglichst breite öffentliche Basis“ zu stellen. „Gedacht werden soll der jüdischen Opfer ebenso wie beispielsweise politisch, rassistisch oder religiös verfolgten Menschen und Opfern von Zwangsarbeit und Euthanasie“, beschreibt der Arbeitskreis sein Wirken, das „mittel- und langfristig“ durch eine dafür ins Leben gerufene Geschichtswerkstatt sichergestellt werden soll. Dort werden die Biografien der auf den Bischofsheimer Stolpersteinen namentlich verzeichneten Personen erarbeitet und individuelle Erinnerungsblätter mit weiteren Informationen erstellt. Darüber hinaus soll die Geschichtswerkstatt den „Kontakt mit ähnlichen Initiativen, aber auch mit jüdischen und christlichen Gemeinden und Institutionen aufbauen“. Die Zusammenarbeit schlägt sich auch in den vom Bischofsheimer Kulturwissenschaftler Prof. Dr. Wolfgang Schneider geleiteten „Werkstatt-Gesprächen der Gedenk-Kultur“ nieder, die in diesem Jahr noch drei Mal stattfinden. Am 16. September wird eine um 17 Uhr beginnende Führung über den jüdischen Friedhof in Groß-Gerau (Geschwister-Scholl-Straße 3) angeboten, auf dem auch Juden aus Bischofsheim bestattet wurden. Im Anschluss lädt die veranstaltende Kreisvolkshochschule zu einem Vortrag über das jüdische Leben in Groß-Gerau ins Stadtmuseum (Am Marktplatz 3) ein.

Fünfstündige Exkursion zur Gedenkstätte Hadamar im November

Bei einer in Kooperation mit der Kreisvolkshochschule geplanten fünfstündigen Exkursion zur Gedenkstätte Hadamar geht der Arbeitskreis Stolpersteine am 6. November den Spuren der im NS-Euthanasieprogramm planmäßig ermordeten Menschen mit psychischer Erkrankung und Behinderung aus Bischofsheim und Groß-Gerau nach. Die Anreise erfolgt mit Kleinbussen, Abfahrt ist um 14 Uhr vor dem Rathaus Bischofsheim. Am 16. November wird im Museum Bischofsheim ab 18 Uhr über den Stand der Forschung zum Thema Zwangsarbeit im Nationalsozialismus informiert. Der Arbeitskreis Stolpersteine recherchiert derzeit zu den während des Zweiten Weltkriegs in die Region verschleppten Opfern von Zwangsarbeit bei der Deutschen Reichsbahn sowie bei der Opel AG in Rüsselsheim. Zu allen Veranstaltungen ist eine verbindliche Anmeldung über info@~@kvhsgg.de erforderlich.